3. September 2026
4 Min. Lesezeit

Altersvorsorge ab 40: So schließt Du Deine Rentenlücke noch

Altersvorsorge ab 40: So schließt Du Deine Rentenlücke noch

Es gibt zwei Sorten von Männern Mitte vierzig. Die einen wissen ungefähr, was sie später an Rente bekommen. Die anderen haben den Brief der Rentenversicherung ungeöffnet in einer Schublade. Wenn Du zur zweiten Sorte gehörst: kein Drama, aber die nächsten zwanzig Minuten sind gut investiert.

Die gute Nachricht vorweg: Mit 40 hast Du noch rund 25 Jahre Anlagehorizont. Das ist viel. Die weniger gute: Jedes Jahr, das Du wartest, kostet Dich überproportional viel, weil der Zinseszins die meiste Arbeit am Anfang leistet.

Schritt 1: Die Rentenlücke ausrechnen

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem, was Du im Alter brauchst, und dem, was Du bekommst. Die Faustformel ist simpel:

  1. Bedarf schätzen: heutiges Nettoeinkommen × 75 Prozent. Wer 3.500 Euro netto hat, rechnet mit rund 2.625 Euro Bedarf.
  2. Anspruch nachschlagen: Die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung nennt Dir die zu erwartende Rente. Wichtig: Das ist ein Bruttowert - davon gehen noch Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern ab.
  3. Differenz bilden: Bedarf minus Rente = Lücke.

Bei 2.625 Euro Bedarf und, sagen wir, 1.550 Euro Rente bleiben rund 1.075 Euro monatlich offen. Und das in heutigem Geld - die Inflation kommt noch obendrauf.

Schritt 2: Die ehrliche Sparquote

Hier wird es unbequem. Wer mit Mitte zwanzig anfängt, kommt mit rund zehn Prozent des Nettoeinkommens weit. Finanztip empfiehlt Menschen, die erst mit 40 oder später starten, rund 20 Prozent monatlich anzulegen, um die Lücke zu schließen.

Zwanzig Prozent klingen brutal. Zwei Dinge relativieren das:

  • Betriebliche Altersvorsorge, bestehende Verträge und abbezahltes Wohneigentum zählen mit. Rechne erst zusammen, was schon läuft, bevor Du erschrickst.
  • In den Vierzigern steigt bei den meisten Männern das Einkommen noch, während Ausgaben wie Ausbildung oder Kredittilgung irgendwann wegfallen. Eine Quote, die heute unmöglich wirkt, ist in fünf Jahren oft machbar.

Wenn 20 Prozent nicht gehen: Fang mit zehn an und erhöhe die Rate mit jeder Gehaltserhöhung. Ein Sparplan, der läuft, schlägt einen perfekten Plan, der nie startet.

Taschenrechner und Unterlagen zur Berechnung der Rentenlücke

Schritt 3: Wohin mit dem Geld

Für den Aufbau über 20 bis 25 Jahre führt kaum ein Weg an breit gestreuten Aktien-ETFs vorbei. Finanztip kalkuliert für die Zukunft mit einer moderaten Durchschnittsrendite von rund sechs Prozent pro Jahr - keine Garantie, aber eine brauchbare Planungsgröße.

Worauf es praktisch ankommt:

  • Breit streuen. Ein weltweit anlegender Index deckt tausende Unternehmen ab. Einzelaktien sind ein Hobby, keine Altersvorsorge.
  • Kosten drücken. Laufende Kosten von 0,2 statt 1,5 Prozent pro Jahr machen über 25 Jahre einen Unterschied im fünfstelligen Bereich.
  • Automatisieren. Dauerauftrag direkt nach Gehaltseingang. Was nicht auf dem Girokonto liegt, wird nicht ausgegeben.
  • Nicht hineinregieren. Der häufigste teure Fehler ist der Panikverkauf im Crash.

Ein Wort zu Versicherungsmänteln: Wer Flexibilität will, fährt mit einem ETF-Sparplan besser - keine Bindung, kein Versicherungsmantel, höhere Nettorendite. Fondsgebundene Rentenversicherungen können sich rechnen, aber nur bei sehr niedrigen Kosten und langer Laufzeit. Rechne das durch, bevor Du unterschreibst.

Neu ins Spiel kommt ab 2027 das Altersvorsorgedepot: ein staatlich gefördertes Depot, in dem Du in Fonds und ETFs sparen kannst. Wenn Du ohnehin noch keinen Vertrag hast, lohnt es sich, die Konditionen abzuwarten, statt jetzt in ein altes Produkt zu wechseln - aber warte nicht mit dem Sparen an sich, sondern nur mit der Wahl des Fördermantels.

Schritt 4: Die drei Dinge, die vorher geregelt sein müssen

Bevor Du in die Altersvorsorge einsteigst, gehören drei Fundamente:

  1. Notgroschen: drei bis sechs Nettomonatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto. Ohne den verkaufst Du beim ersten kaputten Getriebe Deine ETFs zum schlechtesten Zeitpunkt.
  2. Teure Schulden weg. Ein Dispo mit elf Prozent Zinsen schlägt jede erwartbare Rendite.
  3. Berufsunfähigkeitsschutz. Die größte Bedrohung für Deine Altersvorsorge ist nicht der Aktienmarkt, sondern der Ausfall Deiner Arbeitskraft.

Der Teil, über den Finanzratgeber schweigen

Deine Arbeitskraft ist bis zur Rente Dein größter Vermögenswert. Bei 3.500 Euro netto und 25 Jahren Restarbeitszeit reden wir über gut eine Million Euro künftiges Einkommen. Rücken, Schlaf und Stressresistenz sind damit keine Wellness-Themen, sondern Teil Deiner Finanzplanung. Der Mann, der mit 58 wegen chronischer Rückenprobleme in Teilzeit muss, verliert mehr Geld, als jede ETF-Optimierung je einbringt.

Anders gesagt: Zwei Stunden Bewegung pro Woche und ein Sparplan sind dieselbe Strategie mit unterschiedlichen Werkzeugen.

Deine nächsten drei Schritte

  1. Renteninformation raussuchen und Lücke ausrechnen - heute, nicht irgendwann.
  2. Alle bestehenden Verträge auf einem Blatt sammeln: Was läuft, was kostet, was bringt es.
  3. Einen Sparplan mit einem Betrag starten, der Dir nicht wehtut. Erhöhen kannst Du immer.

Quellen

Hat dir dieser Artikel gefallen? Teile ihn mit anderen!

Julian Duscha, Yoga Trainer

Julian Duscha

Autor

Julian ist zertifizierter Yogalehrer mit dem Fokus auf Yoga für Männer. Aus eigener Erfahrung mit Rückenschmerzen durch langes Sitzen weiß er, wie sehr eine regelmäßige Praxis Beweglichkeit, Kraft und Klarheit zurückbringen kann. Heute gibt er dieses Wissen in seinen Kursen in Bad Segeberg und Umgebung weiter.

Mehr über Julian

Newsletter abonnieren

Erhalte neue Artikel, Yoga-Tipps und Veranstaltungs-Updates direkt in dein Postfach.

Durch die Nutzung dieser Website akzeptierst du die Verwendung von Cookies.