14. September 2026
4 Min. Lesezeit

Notgroschen: Wie viel Geld wirklich auf dem Tagesgeldkonto liegen sollte

Notgroschen: Wie viel Geld wirklich auf dem Tagesgeldkonto liegen sollte

Es gibt einen Punkt, an dem jeder Vermögensaufbau scheitert, und er hat nichts mit Rendite zu tun: Die Waschmaschine geht kaputt, das Auto braucht ein neues Getriebe, der Zahnarzt stellt eine vierstellige Rechnung. Wer dann keine Rücklage hat, verkauft seine Anlagen - und zwar fast immer zum ungünstigsten Zeitpunkt.

Deshalb kommt der Notgroschen vor dem ETF, vor der Altersvorsorge, vor allem anderen.

Die Zahl

Die Verbraucherzentrale empfiehlt als eiserne Reserve drei Netto-Monatsgehälter; andere Quellen nennen zwei bis drei als Faustregel. Bei 2.500 Euro netto sind das 7.500 Euro, bei 3.500 Euro netto 10.500 Euro.

Diese Faustregel ist ein Startpunkt, kein Gesetz. Nach oben korrigieren solltest Du in diesen Fällen:

  • Hohe laufende Verpflichtungen - Miete über 1.000 Euro, Unterhaltszahlungen, Kreditraten.
  • Selbstständigkeit oder schwankendes Einkommen. Hier gelten eher sechs bis zwölf Monatsausgaben als sinnvoll.
  • Immobilieneigentum. Dach, Heizung und Fenster kündigen sich nicht an.
  • Älteres Auto, auf das Du beruflich angewiesen bist.

Nach unten korrigieren kannst Du, wenn Du einen sehr sicheren Job hast, zur Miete wohnst, kein Auto brauchst und kinderlos bist.

Warum Monatsausgaben die bessere Größe sind

Die Rechnung mit dem Nettogehalt ist bequem, aber ungenau. Entscheidend ist, was Du im Notfall ausgibst, nicht was Du verdienst. Wer 4.000 Euro netto hat und davon 1.800 Euro ausgibt, braucht eine kleinere Reserve als jemand mit 3.000 Euro netto und 2.800 Euro Ausgaben.

Praktisch: Nimm Deine durchschnittlichen Monatsausgaben der letzten sechs Monate und multipliziere mit drei. Das ist Dein Zielwert.

Münze wird in ein Sparschwein gesteckt

Wohin das Geld gehört

Der Notgroschen hat genau drei Anforderungen - und eine davon ist nicht Rendite:

  1. Jederzeit verfügbar. Kein Festgeld mit zwölf Monaten Laufzeit, keine Kündigungsfrist.
  2. Wertstabil. Kein ETF, keine Aktien, keine Anleihen mit Kursrisiko. Der Notfall tritt statistisch gern dann ein, wenn die Märkte unten sind.
  3. Getrennt vom Alltagskonto. Was auf dem Girokonto liegt, wird ausgegeben. Nicht aus Charakterschwäche, sondern weil es im Kontostand mitläuft.

Das Tagesgeldkonto erfüllt alle drei Kriterien: tägliche Verfügbarkeit, solide Einlagensicherung, klare Trennung vom Konsumgeld. In der EU greift die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Bank und Kunde - für einen Notgroschen mehr als ausreichend.

Ein praktischer Hinweis: Eröffne das Tagesgeldkonto bei einer anderen Bank als Dein Girokonto. Die zusätzliche Hürde, Geld erst überweisen zu müssen, verhindert spontane Zugriffe erstaunlich zuverlässig.

Was der Notgroschen nicht ist

  • Keine Urlaubskasse. Urlaub ist planbar, der Notgroschen ist für das Unplanbare.
  • Kein Ersatz für Versicherungen. Eine Haftpflichtschaden in Millionenhöhe deckt keine Rücklage ab.
  • Keine Geldanlage. Die Verzinsung liegt meist unter der Inflation. Das ist der Preis für Verfügbarkeit und Sicherheit - und er ist es wert.
  • Kein Dispo-Ersatz nachträglich. Wer einen Dispo nutzt, zahlt oft zweistellige Zinsen. Teure Schulden abbauen kommt noch vor dem Notgroschen.

Der Aufbau in der Praxis

Drei Monatsgehälter klingen nach viel. In Schritten sind sie machbar:

StufeZielWirkung
11.000 EuroDeckt die meisten Alltagsnotfälle, nimmt sofort Druck
21 MonatsausgabePuffer für größere Reparaturen
33 MonatsausgabenDeckt auch Einkommensausfall ab

Der wirksamste Mechanismus ist ein Dauerauftrag am Tag nach dem Gehaltseingang. Was am Monatsende "übrig bleiben" soll, bleibt nicht übrig. Betrag so wählen, dass er nicht wehtut - 150 Euro, die laufen, schlagen 400 Euro, die nach zwei Monaten gestoppt werden.

Wenn er gebraucht wurde

Der Notgroschen ist zum Ausgeben da. Wer ihn benutzt, hat nichts falsch gemacht - genau dafür ist er aufgebaut worden. Die einzige Regel danach: Der Dauerauftrag läuft wieder an, bis der Zielwert erreicht ist, bevor andere Sparziele weitergehen.

Die Reihenfolge, die Sinn ergibt

  1. 1.000 Euro Starterreserve aufbauen.
  2. Teure Schulden tilgen - Dispo, Konsumkredite, Kreditkartenschulden.
  3. Notgroschen auf drei Monatsausgaben bringen.
  4. Arbeitskraft absichern - Berufsunfähigkeitsversicherung.
  5. Dann mit dem langfristigen Vermögensaufbau starten.

Diese Reihenfolge ist unspektakulär und wird in jedem zweiten Finanzvideo übersprungen, weil Schritt 5 interessanter aussieht. Die Schritte 1 bis 4 sind aber der Grund, warum Schritt 5 überhaupt durchhält.

Quellen

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Julian Duscha, Yoga Trainer

Julian Duscha

Autor

Julian ist zertifizierter Yogalehrer mit dem Fokus auf Yoga für Männer. Aus eigener Erfahrung mit Rückenschmerzen durch langes Sitzen weiß er, wie sehr eine regelmäßige Praxis Beweglichkeit, Kraft und Klarheit zurückbringen kann. Heute gibt er dieses Wissen in seinen Kursen in Bad Segeberg und Umgebung weiter.

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