Versicherungen für Männer: Welche Du brauchst und welche nicht

Der durchschnittliche deutsche Haushalt hat mehr Versicherungen, als er braucht - und bei den wichtigen oft zu wenig Deckung. Das liegt selten an schlechten Entscheidungen. Es liegt daran, dass Versicherungen meist verkauft und nicht gekauft werden.
Es gibt einen Grundsatz, der die meisten Fälle klärt:
Versichere nur Risiken, die Du finanziell nicht selbst tragen kannst.
Ein kaputtes Handy kostet 600 Euro - das kannst Du tragen. Ein Personenschaden, für den Du haftest, kann Millionen kosten - das kannst Du nicht.
Die drei, die wirklich zählen
1. Private Haftpflichtversicherung
Die wichtigste freiwillige Versicherung überhaupt. Nach deutschem Recht haftest Du für Schäden, die Du anderen zufügst - unbegrenzt, mit Deinem gesamten Vermögen und oft auch mit Deinem künftigen Einkommen.
Das realistische Horrorszenario ist nicht die zerbrochene Vase. Es ist der Radfahrer, der wegen Deiner Unachtsamkeit stürzt und dauerhaft arbeitsunfähig wird. Dann geht es um Behandlungskosten, Verdienstausfall und lebenslange Rentenzahlungen.
Deckungssumme: Die Verbraucherzentrale empfiehlt mindestens 10 Millionen Euro pauschal für Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Der Preisunterschied zwischen 5 und 10 Millionen ist meist gering - spar hier nicht.
Kosten: oft unter 100 Euro im Jahr. Das ist das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im gesamten Versicherungsbereich.
2. Berufsunfähigkeitsversicherung
Für alle, die von ihrem Gehalt leben, ist sie unbedingt notwendig. Deine Arbeitskraft ist Dein größtes Vermögen - über ein ganzes Erwerbsleben kommen schnell ein bis zwei Millionen Euro Einkommen zusammen.
Die BU zahlt eine monatliche Rente, wenn Du Deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist dafür kein Ersatz: Sie greift erst, wenn Du irgendeine Tätigkeit nicht mehr ausüben kannst, und sie fällt niedrig aus.
Worauf Du achtest:
- Je jünger und gesünder beim Abschluss, desto günstiger der Beitrag - und desto leichter die Gesundheitsprüfung. Mit 45 wird es teurer und die Prüfung strenger, mit 55 oft schwierig.
- Verzicht auf abstrakte Verweisung muss im Vertrag stehen.
- Rentenhöhe realistisch ansetzen - als Orientierung rund 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens.
- Laufzeit bis zum Rentenbeginn, nicht bis 60.
Gesundheitsfragen müssen vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet werden. Falsche Angaben führen im Leistungsfall zur Verweigerung - dann hast Du jahrelang umsonst gezahlt.
3. Private Krankenversicherung oder gesetzliche Absicherung
In Deutschland besteht Versicherungspflicht - dieser Punkt ist in der Regel geklärt. Prüfenswert sind Zusatzbausteine, aber nur dort, wo Dich eine Lücke wirklich treffen würde, etwa beim Zahnersatz.
Die Zweitwichtigen - je nach Lebenssituation
- Risikolebensversicherung: Pflicht, wenn Menschen von Deinem Einkommen abhängen oder eine Immobilie finanziert ist. Faustregel für die Summe: das Drei- bis Fünffache des Bruttojahreseinkommens, plus Restschuld.
- Hausratversicherung: sinnvoll, wenn eine komplette Neuanschaffung des Hausrats Dich finanziell überfordern würde.
- Kfz-Haftpflicht: gesetzlich vorgeschrieben. Vollkasko lohnt bei neuen oder hochwertigen Fahrzeugen, bei älteren selten.
- Rechtsschutz: diskutabel. Sinnvoll vor allem im Arbeitsrecht und bei Mietverhältnissen.
- Unfallversicherung: nur in bestimmten Konstellationen sinnvoll - sie deckt Unfälle, während die meisten Berufsunfähigkeiten durch Krankheit entstehen.

Die, die Du streichen kannst
- Handyversicherung, Elektronikgarantien, Garantieverlängerungen
- Reisegepäckversicherung
- Glasversicherung als Einzelpolice
- Sterbegeldversicherung - meist teurer als die Summe, die am Ende ausgezahlt wird
- Insassenunfallversicherung - die Kfz-Haftpflicht deckt das ab
- Ausbildungs- und Aussteuerversicherungen für Kinder als Anlageprodukt
Jede dieser Policen versichert ein Risiko, das Du im Zweifel aus der Rücklage bezahlen kannst. Genau dafür ist der Notgroschen da.
Der jährliche Check - 20 Minuten
- Alle Policen auf ein Blatt: Was, bei wem, Beitrag, Deckungssumme.
- Jede Police gegen den Grundsatz prüfen: Könnte ich diesen Schaden selbst tragen?
- Haftpflicht-Deckungssumme kontrollieren - alte Verträge liegen oft bei 3 Millionen.
- Lebenssituation abgleichen: Kind geboren, Immobilie gekauft, Gehalt gestiegen? Dann BU-Rente und Risikoleben anpassen.
- Doppelversicherungen aufspüren - Haftpflicht läuft oft doppelt, etwa über Partnerin und eigenen Altvertrag.
Der Punkt, den Versicherungsberater selten ansprechen
Die wirksamste Absicherung Deiner Arbeitskraft ist nicht die Police, sondern die Vorbeugung. Rückenleiden und psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit. Bewegung, Schlaf und Stressabbau sind damit Teil derselben Rechnung wie Beiträge und Deckungssummen - nur mit dem Unterschied, dass sie den Fall verhindern, statt ihn auszuzahlen.
Quellen
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Julian Duscha
Autor
Julian ist zertifizierter Yogalehrer mit dem Fokus auf Yoga für Männer. Aus eigener Erfahrung mit Rückenschmerzen durch langes Sitzen weiß er, wie sehr eine regelmäßige Praxis Beweglichkeit, Kraft und Klarheit zurückbringen kann. Heute gibt er dieses Wissen in seinen Kursen in Bad Segeberg und Umgebung weiter.
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